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Sehpferdchen – Filmfest für die Generationen 2016
Rückblick

Über das Sehen zum Gespräch kommen - Filmbildung intensiv
21.02. – 06.03.2016 in Hannover, Braunschweig, Burgdorf und Wunstorf

Mit 26 internationalen Filmen in 75 Vorstellungen, die von über viertausend Zuschauern besucht wurden, hat das Sehpferdchen 2016 wieder einen guten Standard erreicht. Gemessen an seinem Anspruch, Filmbildung zu vermitteln, hat das Filmfest jedoch den bisher erfreulichsten Rekord erzielt. Nicht weniger als 82% der Zuschauer beteiligten sich an den anschließenden Filmgesprächen! Ob es im vormittäglichen Schulprogramm war, am Nachmittag, im Familienprogram oder im Generationenkino am Abend: Das Interesse, sich über die Filme auszutauschen und mehr zu erfahren, war noch nie so groß. Dies haben die Moderatorinnen mit viel Engagement gemeistert. Höhepunkte waren die Vorstellungen mit unseren Gästen. Sie waren zwar weniger zahlreich als beim letzten Mal, dafür hatten sie mehr Zeit mitgebracht und konnten bei mehreren Vorstellungen ihrer Filme dabei sein.

Regisseur Norbert Lechner mit seinen beiden Hauptdarstellerinnen von „Ente gut! Mädchen allein zu Haus“ (D 2016) kam zur Eröffnung direkt von der Berlinale. Sein Film eröffnete zugleich das Filmfest-Motto „Welt Panorama Kinder“. Seine freundliche Erzählung von zwei Schwestern, deren Mutter für einige Zeit heim nach Vietnam muss, sensibilisiert für die Situation von Kindern in Deutschland, deren Aufenthaltsstatus unsicher ist. Ein Thema, das auch bei den vielen Erwachsenen unter den Zuschauern der Eröffnung beeindruckt hat.

Nino Jacusso, Regisseur von „Shana – The Wolf’s Music“ (CH/CAN 2013), fesselte das Publikum nicht allein mit seinem Film über ein indianisches Mädchen in Kanada, sondern auch als charismatischer Erzähler und sogar als Botschafter der Belange von Indianern, ihrer Traditionen und ihres Glaubens.Bereichert wurden die Vorstellungen auch durch ein Video der Südstadtschule Hannover, das als Vorfilm mit vielen Informationen über Wölfe und Indianer das Publikum einstimmte und Nino Jacusso verblüffte.

Regisseur Rolf van Eijk war gespannt, wie seine vielleicht etwas zu traurige Dystopie für Kinder „T.I.M.“ (NL 2014) beim Publikum ankommen würde. Doch die (wenn auch nicht sehr zahlreichen) Zuschauer waren sehr beeindruckt von der letztlich erfolglosen aber befreienden Suche eines Jungen nach seinem Haushaltsroboter, der lange Zeit als Mutterersatz diente.

Ansgar Ahlers zeigte seinen Kurzfilm „Indian Daydream“ (D 2010) vor einem speziellen Publikum, das nur aus jungen Machern von Sehpferdchen-Projektvideos bestand. Mit viel Herz erzählte er vom Alltag indischer Kinder, vom Drehen und gab als Profi auch viele Anregungen für das Filmemachen.

Nagesh Kukunoor aus Indien brachte mit „Regenbogen“ (Indien 2014) einen der schönsten Filme mit zum Filmfest. Wenn schon der Film als wunderbares Gegenwartsmärchen über einen blinden Jungen ein figuren- und abenteuerreiches Panorama bietet, dann waren seine Erzählungen von der Entstehung und seinem Leben im Bolliwood-Land mindestens ebenso spannend. Glänzend abgerundet wurde „Regenbogen“ durch ein Vorfilm-Video über Kinder in Indien, das eine Klasse der Grundschule Am Stöckener Bach zum Sehpferdchen produzierte.

Zur belgischen Produktion „Zugvögel“ (F/B 2015) von Olivier Ringer präsentierte die Gruppe „Handy(k)app“ von der Lebenshilfe Hannover ihre Handyvideos, die in der Lernoase des Freizeitheims Vahrenwald entstanden waren. Der „große“ Film auf der Leinwand und die „kleinen“ Videos auf den Tablets spannten einen ungewöhnlichen Bogen zum Thema Selbständigkeit von Menschen mit Behinderungen.

Begeistert war das Sehpferdchen-Team in diesem Jahr auch davon, wie vor allem in den Vormittagsvorstelllungen das Publikum bei den Filmen „mitging“. Besonders zu nennen sind „Das himmlische Kamel“ (Russ.Föderation 2015), „Kleine Gangster“ (NL 2015), „Der Neue“ (F 2015) und „Ich & Earl & das Mädchen“ (USA 2015). Es wurde im besten Sinne lebhaft reagiert, gelacht, geklatscht, mitgesungen oder still und aufmerksam zugeschaut. So kann mit gutem Gefühl für die Qualität des Sehpferdchens gesagt werden: Filmbildung intensiv.

Erstmalig wurde das Sehpferdchen von „FilmFestSpezial“ besucht, und hatte damit die Ehre, mit einer 45-minütigen Sendung für die niedersächsischen Bürgerfernsehsender dokumentiert zu werden – und das sehr sorgfältig und treffend. Die komplette Sendung ist unten auf dieser Seite zu sehen.

Das nächste „Sehpferdchen – Filmfest für die Generationen“ gibt es im Februar / März 2018.

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